Andreas Geistlich
Andreas Geistlich

Mit Trybol gurgeln und mit klarer Stimme Nein sagen!

08.02.2013

Wir sind Herrn Minder dankbar, dass er die unsäglichen Entschädigungsexzesse
zahlreicher so genannter Wirtschaftsführer angeprangert hat, und dass in dieser Sache
nun gehandelt wird. Seine „Abzockerinitiative“ schüttet jedoch das Kind mit dem Bade aus und ist deshalb abzulehnen. Dann tritt automatisch der Gegenvorschlag in Kraft, welcher im Parlament breite Abstützung geniesst und auch von uns ganz klar bevorzugt
wird.

So setzt der Gegenvorschlag auf Transparenz statt auf sture Vorgaben! Gemäss Initiative sollen beispielsweise Beraterverträge von Organmitgliedern mit anderen Firmen innerhalb des Konzerns verboten werden. Das schiesst völlig über das Ziel hinaus! Angenommen, in
einer Firma sitzt ein Jurist im Verwaltungsrat, welcher auch die Tochtergesellschaften
juristisch berät. Ist das bereits Abzockerei? Der Gegenvorschlag ebnet den Weg zum
Kompromiss, indem er solche Mandate weiterhin ermöglicht, aber verlangt, dass diese
offengelegt werden.
Der Gegenvorschlag ermöglicht pragmatische Lösungen statt blinde Verbote! Gemäss
der Initiative dürfen bsp. für Firmenkäufe oder -verkäufe an Organmitglieder keine
Prämien mehr ausbezahlt werden. Dies kann zu einer Demotivation von
Schlüsselpersonen bei strategischen Geschäften führen und somit die
Weiterentwicklung der Gesellschaft behindern. Das ist nicht im Sinne der Aktionäre! Der
Gegenvorschlag sieht hier eine praktikable und nach unserer Meinung auch sinnvolle
Lösung vor, indem die GV über solche Prämien befinden kann. Ähnlich verhält es sich
bei Abgangsentschädigungen und Antrittsprämien für Organmitglieder. Statt diese
einfach zu verbieten will der Gegenvorschlag ein fallbezogenes Mitbestimmungsrecht für
die GV aufrecht erhalten.
Die Initiative geht zu weit! Mit der geforderten Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren bei
Widerhandlungen gegen die neuen Bestimmungen geht die Initiative wird kaum jemand
mehr bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und Neues zu wagen.
In vielen weiteren Punkten stimmen Initiative und Gegenvorschlag jedoch überein, bsp.
bei neu einzuführenden und jährlich durchzuführenden Abstimmungen über die
Vergütungen des Verwaltungsrates und der Beiräte, oder bei der Abschaffung des
Depotstimmrechts und der Organstimmrechtsvertretung.
Der indirekte Gegenvorschlag ist also zu bevorzugen. Er setzt auf mündige Aktionäre
und bewahrt den unternehmerischen Aktionsradius der Firmen. Trotzdem setzt er das
Anliegen von Herrn Minder um. Wenn Sie NEIN sagen zur Initiative «gegen die
Abzockerei», wird er automatisch und voraussichtlich per 1. Januar 2014 in Kraft
gesetzt.


Dr. Andreas Geistlich, Co-Präsident Wirtschaftskammer Schlieren
Dietrich Pestalozzi, Präsident Industrie- und Handelsverein Dietikon
Fredi Pahr, Präsident Industrieverein Spreitenbach

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